Atmung – Reflexionen zur Rhythmisierung
Slow-Paced Breathing (SPB) ist eine sehr einfache Atemtechnik, durch die der Atemrhythmus, der normalerweise bei zwölf bis achtzehn Atemzyklen pro Minute liegt, auf ca. sechs Atemzyklen pro Minute reduziert wird. In der Regel wird dabei wiederholt vier Sekunden lang entspannt ein- und anschließend sechs Sekunden lang ausgeatmet [Sherwood, 2011]. Zwar gibt es zahlreiche Studien, welche die positiven Effekte von SPB auf die Gesundheit bekräftigen, die zugrundeliegenden Wirkmechanismen wurden jedoch lange Zeit nur mangelhaft untersucht und verstanden. Mittlerweile ist die Wissenschaft der Auffassung, dass SPB den Vagusnerv stimuliert und auf diesem Wege seine vielfältigen positiven Wirkungen im Organismus zeigt [Gerritsen, 2023]. Der Vagusnerv ist der Hauptnerv des parasympathischen Nervensystems (PNS) und einer der zwölf Hirnnerven, die sich direkt vom Gehirn aus bis in das Körperinnere ziehen. Er hat einen Einfluss auf die Aktivität und Regulation vieler innerer Organe und ist, wie auch der Rest des parasympathischen Nervensystems, für Entspannungsprozesse im Körper zuständig. Der Gegenspieler zum PNS ist das sympathische Nervensystem. Dabei handelt es sich um den Teil des Nervensystems, der für Anspannung und Aktivität zuständig ist. Die Balance dieser beiden Systeme bestimmt den Aktivitätszustand und die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus [Brodal, 2004].
Auszug aus der sportärztezeitung. Beitrag von Sylvain Laborde, (PhD) promoviert in Psychologie und Sportwissenschaft. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule Köln. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Bereich der Sportpsychologie.
L. Sherwood, Fundamentals of Human Physiology, 4. Aufl. Belmont, CA: Cengage Learning, 2011.
R. J. S. Gerritsen und G. P. H. Band, „Breath of Life: The Respiratory Vagal Stimulation Model of Contemplative Activity“, Front. Hum. Neurosci., Bd. 12, 2018, Zugegriffen: 20. März 2023.
P. Brodal, The Central Nervous System: Structure and Function. Oxford University Press, USA, 2004.
